“Das Gymnasium Brake ist bunt und tolerant. Rassismus und Ausgrenzung? Haben hier keinen Platz.

Dieses offene Weltbild hat dem Gymnasium nun eine besondere Auszeichnung beschert. Die Bildungseinrichtung darf ab sofort das Gütesiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Vereins Aktion Courage e.V. führen und gehört damit einem Netzwerk von bundesweit 3000 Schulen an, die sich strikt gegen Ausgrenzung jeglicher Art einsetzen.” (nwzonline.de)

Den gesamten Artikel können Sie auf nwzonline.de nachlesen.

Da sich unsere Schüler*innenvertretung maßgeblich für die Auszeichnung eingesetzt und die Ernennungsfeier organisiert hat, haben wir sie in einem kurzen Interview befragt. Daria hat im Anschluss unseren Paten Mats Nickelsen interviewt.

Die Interviews können im Folgenden nachgelesen werden.

Wir haben unsere Schülersprecherinnen Kim und Rieke befragt, wie es zu der Auszeichnung kam:

Hallo Kim! Hallo Rieke! Herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung, die maßgeblich auf euer Engagement zurückzuführen ist. Warum ist euch das Thema so wichtig?

SV: Für uns ist es sehr wichtig, gegen Rassismus und für Toleranz und Akzeptanz einzutreten, da nur so ein friedliches Miteinander unserer Gesellschaft möglich werden kann und folglich nur so ein angenehmeres Leben ohne unnötige Schwierigkeiten gelingen kann. Schließlich haben wir schon genügend Probleme auf der Welt, wie den Klimawandel. Zudem verstößt Rassismus gegen unsere Gleichheit und niemand sollte Rassismus tolerieren.

Wie kam es zu der Auszeichnung als “Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage”?

SV: Ein SV-Mitglied hatte irgendwann in die Runde gefragt, warum wir uns nicht um das Schulzertifikat „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ bewerben würden, da wir unter anderem die Selbstverpflichtung, jedes Jahr ein Projekt zum Thema durchzuführen, so oder so einhalten würden. Unserer Schule führt nämlich jährlich den Winnenden Gedenktag durch, wobei wir neben dem Gedenken an die Opfer auch die Werte für ein tolerantes Miteinander weitergeben wollen. Ebenfalls findet die Teilnahme unserer Schule am Christopher Street Day in Oldenburg teil. Andere durchgeführte Projekte waren z.B. der Verkauf der Regenbogen-Armbänder unserer Schule, die Teilnahme am Projekt „Was wir euch zu sagen haben“, das Bänkebau-Projekt sowie der Bau eines Wegweisers, welcher nun unseren vorderen Schulhof schmückt. Nach unserer Bewerbung, einer obligatorischen Abstimmung in der Schulgemeinschaft kam es nun zur erfolgreichen Ernennungsfeier am 19.11.2021.

Was ist die Aufgabe von Schule eurer Meinung nach?

SV: Die Schule sollte dafür Sorgen alle Schulmitglieder für diese Themen zu sensibilisieren und aufzuklären. Diese Aufklärung muss schon früh geschehen, sodass die Schuler*innen merken, dass Widerstand geleistet werden muss. Zusätzlich wären Workshops zum Thema „Rassismus“ angebracht.

Was plant ihr für die Zukunft?

SV: Wir wollen natürlich weiter für moralische Werte und gegen Diskriminierung eintreten und weiterhin unserer bisherigen und auch neue Projekte durchführen, um das Thema und die Wichtigkeit von Toleranz aufrechtzuerhalten. Weiterhin wollen wir, um eine gewisse Kontinuität aufzubauen, jährliche und in bestimmen Jahrgängen festeingebettete Projekte einbinden.

Daria hat ein Interview mit unserem Paten Mats Nickelsen geführt:

Hey Mats, magst du dich vielleicht zunächst einmal kurz vorstellen?

Mats: Na klar. Also ich bin Mats Nickelsen, 35 Jahre alt, bin hier in Brake aufgewachsen und auch ehemaliger Schüler des Gymnasiums Brake. 2006 habe ich mein Abitur gemacht. Inzwischen lebe ich aber in Hamburg und arbeite dort als Sportreporter beim NDR und berichte dort im Radio hauptsächlich von Fußballspielen, erstelle Berichte oder führe Interviews.

Was hast du in der Zeit nach deinem Abitur gemacht?

Mats: Zunächst habe ich einen Zivildienst in der Diakonie am Friedensplatz in Brake gemacht, was auch eigentlich ganz gut war. Als dieser Zivildienst dann vorbei war, durfte ich für ein Jahr beim Radiosender Energy Bremen arbeiten und habe dann danach in Bremen Fachjournalistik studiert und nebenbei beim Radio Bremen in der Sportredaktion gearbeitet.

Und jetzt arbeitest du schon seit 10 Jahren als Sportjournalist beim NDR. Wie genau bist du auf den Sportjournalismus gekommen?

Mats: Also um ehrlich zu sein wusste ich schon immer, dass es irgendwie in Richtung Journalismus gehen soll – deswegen hatte ich auch nie einen Plan B. Bereits während meiner Schulzeit durfte ich für die NWZ arbeiten und habe dann immer sonntags über die Fußballspiele berichtet.

Jetzt gibt es vielleicht auch Schüler:innen an unserem Gymnasium, die am Sportjournalismus interessiert sind. Was sind deiner Meinung nach Voraussetzungen, die man für diesen Beruf mitbringen sollte?

Mats: Ein ehemaliger Chef von mir hat immer gesagt: „Wer am Wochenende frei hat, der hat was falsch gemacht!“. Also jeder der sich für diesen Beruf interessiert, sollte eine Bereitschaft für ganz unregelmäßige Arbeitszeiten mitbringen. Ich denke ebenfalls, dass eine gewisse Affinität für Sport bzw. ein generelles Sportinteresse vorhanden sein sollte.

Wie unterscheidet sich der Sportjournalismus von anderen Arten des Journalismus?

Mats: Ich denke, dass sich der Sportjournalismus gar nicht so sehr von anderen Arten des Journalismus unterscheidet. Natürlich berichten wir auch darüber, wer im Fußball Tore schießt, aber wir berichten ja auch über alles andere, was mit dem Fußball verbunden ist. Der Sport ist letztendlich ein Abbild der Gesellschaft und zeigt Themen, die die Gesellschaft beeinflussen. Sport ist also hoch politisch. Das hat man ja auch gerade jetzt in der Pandemie bei den Geisterspielen im Fußball gesehen. Warum durften die Profisportler:innen Fußball spielen, während es Jugendlichen in ihrer Freizeit in den Vereinen verboten wurde? Das wurde sehr viel diskutiert…

Daria: … und was momentan ebenfalls viel diskutiert wird, dass ist der Rassismus im Fußball. Wie stehst du dazu und hast du Lösungsansätze um das Problem zu beheben?

Mats: Das ist ein sehr komplexes Thema und ich habe den Eindruck, dass die Fußballvereine damit überfordert sind. Natürlich haben sie alle Aktionen, setzten sich gegen den Rassismus ein und haben Kampagnen, aber viele Vereine sind meiner Meinung nach trotzdem ratlos. Grundsätzlich ist es aber eine gesellschaftliche Aufgabe sich gegen den Rassismus einzusetzen. Die Vereine Werder Bremen oder Bayern München können da alleine leider nichts gegen tun.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich unsere Schule gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzt und nun sogar eine „Schule ohne Rassismus“ ist. Wie findest du es, dass du unser Pate bist?

Mats: Ich finde das richtig cool. Gerade weil ich auch Schüler an diesem Gymnasium war, habe ich jetzt als Pate eine ganz besondere Bindung zu dieser Schule. An dieser Aktion gefällt mir besonders, dass es so eine Art Selbstverpflichtung an euch ist. Es ist also keine einmalige Aktion gegen Rassismus und Diskriminierung gewesen. Ihr müsst euch jetzt also immer wieder ganz bewusst für dieses Thema einsetzten. Was mir ebenfalls gut gefällt, ist, dass diese Aktion so breit gefächert ist. Da ist für jeden etwas dabei.

Und jetzt ganz am Schluss würde es uns Schüler:innen natürlich noch interessieren, was deine witzigsten Erinnerungen aus deiner Schulzeit am Gymnasium Brake sind:

Mats: Boah, das ist echt schwer. Es gibt nämlich echt viele witzige Geschichten, die hier passiert sind. Die witzigste AG an die ich mich noch erinnern kann, dass ist die AG „Internet für Senioren“. Während der AG-Treffen sind dann immer wieder mehrere Senioren in die Schule gekommen und haben sich von Schüler:innen das Internet erklären lassen. Das war zu der Zeit, in der das Internet noch recht frisch war.

Was so im Nachhinein auch noch ganz witzig war, dass waren die Pausen in denen wir die Hausaufgaben voneinander abgeschrieben haben. Es gab nämlich mehrere Lehrkräfte, die in ihren Pausen immer rumgelaufen sind um zu schauen, wer dabei war seine Hausaufgaben abzuschreiben. Wenn man in der Pause mit einem Heft in der Hand erwischt wurde, dann wurde einem das Heft direkt von der Lehrkraft abgenommen. Wir mussten uns also wirklich Gedanken darum machen, an welchem Ort wir die Hausaufgaben abschreiben konnten ;)

Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Gespräch genommen hast!