
veröffentlicht am 24. Februar 2026
Am vergangen Donnerstag, den 19.02, besuchte die AG Theaterfahrten das Musical „Next to Normal“ im Oldenburgischen Staatstheater. Der Abend begann mit einer gemeinsamen Busfahrt und nachdem Schuler*innen und Lehrer*innen sich noch eine kleine Stärkung oder ein Kaltgetränk besorgt hatten, ging es voller Vorfreude los, auch mit dem Wissen, dass das Stück Themen anspricht, welche in der Gesellschaft meist leider noch ein Tabu sind.
Was zunächst aussieht wie eine Bilderbuchfamilie – Vater und Mutter, die immer noch Sex haben, ein sensibler Sohn, der fast erwachsen ist und eine Tochter im Teenageralter, die ihre Nachmittage auf ihre musikalische und schulische Weiterentwicklung verwendet – entpuppt sich nach wenigen Minuten als reine Fassade.
Diana Goodman, die Mutter, im morgendlichen Stress zwischen Bügeln und Staubsaugen, den sie durch ihren dezenten Tablettenkonsum zu kompensieren versucht, befüllt plötzlich viel zu viele Müslischüsseln mit Packung über Packung an Styropor-Cornflakes, bis die Musik aussetzt und die anderen Familienmitglieder innehalten und merken, dass ihr hektisches Leben so nicht weitergehen kann. Die mobile Kulisse, ein vertikaler Grundriss der Wohnung, fährt nach hinten und öffnet den Raum für ihre psychische Erkrankung, die ihre Familie heimlich kontrolliert. Ein Ärzte-Marathon und verschiedene Psychopharmaka, die alle nicht den gewünschten Effekt bringen, folgen, bis Diana merkt, dass ihr „die Welt fehlt“ und sie die Tabletten, angefeuert von ihrem Sohn, dem sie emotional am nächsten zu sein scheint, die Toilette herunterspült. Später wird sie ihrem Mann diese Tat beichten und preisgeben, dass sie die „glücklichste Klospülung der ganzen Straße“ hätten. Ohne die Tabletten passiert, was passieren muss, und ihre Psychose beginnt, als sie den 18. Geburtstag ihres Sohnes feiern möchte und Mann und Tochter ihr spiegeln, dass der Sohn als Säugling gestorben ist.
Auch die Tochter leidet unter der Krankheit ihrer Mutter und beginnt folgend sich in den Drogen zu verlieren und die sonst so hartarbeitende, wird nun zu einer rebellischen Teenagerin. Illustriert werden die Zerrissenheit und Entrückung der Figuren (Mutter, Tochter, Arzt…) durch die Live-Übertragungen einer Filmkamera auf der Bühne, deren Projektion auf dem 3-D-Grundriss der Wohnung zu einer kubistischen Zerstückelung der Gesichter führt. Zudem wird die Szenerie immer wieder durch Gesang und Musik geprägt, welches die komplizierten Gefühle und Gedanken der einzelnen Charaktere widerspiegelt.
Nach der Pause tanzen Tochter und Mutter zu Elektro – die eine im dritten Club des Abends, die andere in ihrer Schocktherapie in der Psychiatrie. Im nächsten Aufeinandertreffen eskaliert die Situation zwischen den beiden und ihre Tochter beschimpft sie als „Pharmafrau des Jahres“. Später werfen sie ihren respektiven Partnern gleichzeitig vor, dass sie immer noch da seien und sie nicht längst verlassen hätten. Durch die Elektroschocktherapie vergisst Diana nicht nur ihren verstorbenen Sohn, sondern auch ihre Familie und sich selbst, kämpft sich anhand von Fotos zurück in ihre Erinnerung und realisiert schließlich, dass sie eine Verantwortung ihrer Tochter gegenüber hat, aber nicht zurück in ihre Familie finden kann. Sie verlässt somit ihren Mann, der ihr immer zur Seite stand und ihre einzige Tochter. Nun haben alle Zeit wieder zu sich selber zu finden und Hilfe bei anderen zu suchen, ohne einander zu verletzen.
Das Musical spricht nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche direkt an. Durch die Thematisierung von echten Gefühlen, Leistungsdruck und Erwartungen, Mental Health, aber auch mitreißender Musik ist für jeden etwas dabei, mit dem man sich identifizieren kann. Es zeigt, dass man nicht immer direkt sieht, womit sein Gegenüber zu kämpfen hat und, dass es okay ist, nach Hilfe zu fragen.
Nach diesem tollen, zugleich schwierigen Musical, ging es für uns nachdenklich wieder mit dem Bus nach Hause. Während der Heimfahrt wurde noch intensiv über das Stück und die Wirkung gesprochen, sodass alle etwas für sich selbst mitgenommen haben. Insgesamt bleibt der Abend als bereichernde Erfahrung in Erinnerung. Ein besonderer Dank geht nochmals an Frau Focke für die Organisation dieser eindrucksvollen Theaterfahrt.
Artikelnachweis: Henrike – Bildnachweis: Pixabay
