veröffentlicht am 17. März 2026

Am vergangenen Donnerstag am 12.03 besuchte die Theaterfahrt-AG ein letztes Mal für dieses Schuljahr das Oldenburgische Staatstheater. Gemeinsam mit dem Bus traten wir diese Reise an und begannen eine erwartungsvollen Abend.

Hendrik Höfgen, mit spitz gegeltem Ingo-Appelt-Pony, schwarzem Lippenstift und Schulterpolstern, um die ihn so manche Mutter aus den 80ern beneidet hätte, tritt zu Beginn des Stückes mit einem Haufen Gestalten in Stabmasken auf, die ihm kritische Fragen stellen und zusammen mit ihm auf der Metaebene seine eigene Rolle im Stück reflektieren. Vom kleinen Schauspieler, wurde er unter Hitler der Intendant der Berliner Staatstheater und hat Haltung, Integrität und Seele an das Regime – den Mephisto – verkauft, dabei habe er immer im „Planquadrat“ der Bühne die Welt darstellen wollen.

Nach dem vollumfänglichen Spoiler zu Beginn des Stücks wechselt das Bühnenbild von einer naturnahen Inselinszenierung zu einem bewegenden, 20er-Jahre Glitzervorhang und wir treffen den jüngeren Hendrik-mit-D Höfgen in seinem Hamburger Ensemble, wo er seine kommunistisch überzeugte Kollegin in Schutz nimmt und gegen seinen Schauspielkollegen Hans-Miklas, einen bekennenden Nationalsozialisten, hetzt. Er möchte ihn gekündigt wissen, doch sein Intendant Oskar widerspricht seinem Wunsch, weil man in der aktuellen politischen Lage keine Märtyrer schaffen wolle. Ein Argument, dass uns heutzutage nur allzu bekannt vorkommt. Auch privat läuft es nicht ganz rund für Hendrik. Er ist eine Niete im Smalltalk und ein absoluter Flirtamateur. Als er der jungen Barbara, der Tochter des Geheimrates, einen Heiratsantrag mit dem Gedanken, daraus zu profitieren, macht, schämt sich das Publikum mit (Barbara: Du willst mich heiraten? Hendrik: Ja, wir könnten es versuchen.). Seine wahre Leidenschaft ist nämlich Julian.

Hier weicht die Bühnenfassung vom Roman ab, in dem Höfgen mit der Schwarzen Frau Juliette sadomasochistische Praktiken ausprobiert, und implementiert homosexuelle Gelüste des historischen Vorbilds für Hendrik Höfgen. Bei Julian wird Hendrik zu einem devoten kleinen Haustier, das auf Knien kriecht, bittet und bettelt. Währenddessen nimmt seine Karriere Fahrt auf – er wird gefeiert für seinen Mephisto in Goethes Faust I – und er wird schließlich als Intendant an die Berliner Staatstheater berufen. Er zitiert in völligem Größenwahn: „Ich bin ein Teil der Kraft, die stets das Böse will und meist das Gute schafft.“ Zur Pause schminkt er sich ein fieses Joker-Gesicht und überlässt dem Regime schließlich seine Seele.

Die zweite Hälfte begann mit neuen ausgefallen Kostümen mit roten Highlights und ausgefallenen Bewegungsmustern, wobei neue Charaktere präsentiert wurden. Für seinen Erfolg opfert er alles, was er hat; selbst Julian, den er wirklich liebt, muss daran glauben, genauso wie 2 weitere Menschen aus seiner Vergangenheit. Er ist überzeugt von seiner Parole: „Das Band, das alles aneinanderbindet, wird nicht Liebe sein sondern Hass.“

Trotz des Aktualitätsbezuges des Stücks und der spannenden Kostüme der Figuren, konnte der Theaterabend uns nicht vollkommen abholen, da für einige kein eindeutiges Verständnis gegeben war. Dementsprechend fiel der Applaus im großen Haus eher verhalten aus. Anschließend ging es für die meisten wieder mit dem Bus zurück. Der Kopf voller Eindrücke und Fragen.

Wir bedanken uns vielmals bei Frau Focke für die tolle Organisation der AG. Und freuen uns auf viele weitere abwechslungsreiche Fahrten im nächsten Schuljahr.

Artikelnachweis: Henrike / Sb – Bildnachweis: Pixabay